Ein historischer Querschnitt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Völkerwanderung
Kriegswesen
Landwirtschaft
Handwerk und Handel
Kulturelle Entwicklung
Recht
Sozialordnung
Die Tragödie des nordwestlichen Zweiges der Slawen
Wendenkreuzzug - Christianisierung und Germanisierung
Die große Expansion der Slawen
Balkanvorstoß
Die Osmanen
Die Kroaten
Die Slowenen
Mährische Reich
Die Serben
Der böhmische Premyslidenstaat als Erbe des grossmährischen Reiches
Der polnische Piastenstaat
Die slawische Expansion nach Osteuropa
Die Anfänge des Kiewer Reiches
Die Rolle der normannischen Waräger in der Geschichte der Ostslawen
Epilog
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Der Vorstoß auf den Balkan ist historisch relativ am besten belegt, denn hier drang er in die damalige zivilisierte Welt der byzantinischen Kultursphäre ein. Wenn das Byzantinische Reich auch bereits seit über einem halben Jahrtausend untergegangen ist, so wird sein prägender Einfluss auf der Balkanhalbinsel bis heute noch sehr deutlich verspürt.

Grundlage des byzantinischen Staates war einerseits die griechische Sprache und Philosophie, anderseits das Christentum ostkirchlicher Prägung. Die griechische Kultur und Lebensart breiteten sich zwar weit aus, doch die großen byzantinischen kulturellen Werke in Malerei, Plastik, Baukunst und Musik beeinflussten sogar das Abendland.

Als Erbteil des Byzantinischen Reiches sind aber nicht nur die großen Kulturleistungen geblieben. Geblieben sind auch Herrscherkult und Titelwesen, die enge Verzahnung von Religion und Politik und vor allem der starre DOGMATISMUS. Dieser „Byzantinismus”, zusammen mit der Orthodoxie, wurde im Mittelalter in fast alle Balkanländer und die größere Hälfte der slawischen Welt exportiert. Er vermochte die nun folgende osmanische Herrschaft zu beeinflussen und sie zu überdauern.

Sogar in der Gegenwart spielt er noch eine bedeutende Rolle. Fast scheint es, als ob ein Phantom die westeuropäische Kultur verfolgen würde: „Das Phantom des Balkans”. Um dieses Phantom zu exorzieren, sind schon viele Mächtige sonderbare Allianzen eingegangen. Und damit gescheitert.

War es den byzantinischen Kaisern im 5. Jahrhundert noch gelungen, die Goten und die Hunnen abzuwehren, so waren sie gegen die große Zahl der slawischen Stämme machtlos. Seit dem 5. Jh. verließen immer mehr slawische Stämme nördlich der Karpaten ihre Heimat und begannen, sich in den fruchtbaren Gebieten um die Donau anzusiedeln. Und in byzantinischen Archiven begannen die Slawen erst zu erscheinen, nachdem sie die Donau, diese Nordgrenze des Byzantinischen Reiches, überschritten hatten.

Der byzantinische Historiker Prokop schrieb über dieses Eindringen der Slawen : „Sie wollen sich niemals unter die Herrschaft eines Mannes begeben, denn sie hätten seit alter Zeit in Demokratie gelebt und folglich wird alles, was ihr Fortkommen betrifft, auf alle bezogen. Ihre Religion ist bestimmt durch die Verehrung von Fluß- und Waldgeistern, sowie eines Gottes des Lichtes.”

Die geräuschlose Landnahme durch die Südslawen vollzog sich im 6. Jh über einen längeren Zeitraum und erfasste den größten Teil der Balkanhalbinsel. Die Stämme drangen bis nach Südgriechenland vor. Dort assimilierten sie sich mit der heimischen Bevölkerung, während sie in den Gebieten des ehemaligen Jugoslawiens und Bulgariens zur dominierenden Bevölkerungsgruppe wurden.

Im 7. Jh. fielen von Norden her die Bulgaren, ein kriegerisches Turkvolk, heute als "PROTOBULGAREN " bezeichnet, in die slawischen Gebiete ein. Zum Zwecke ihres Schutzes und ihrer Verteidigung gegen Byzanz schlossen die Bulgaren unter Führung ihres Chans Asparuch mit den slawischen Stammesfürsten eine Vereinbarung (Vertrag) ab, der als Gründungsakt des Ersten Bulgarischen Staates angesehen wird. In diesem Staat bildeten die zunächst nomadischen Protobulgaren die dünne Oberschicht, die ackerbauenden Slawen aber die große Mehrheit der Bevölkerung.

Aber bald kam es zu einer Verschmelzung der beiden Völker, bei der auch die protobulgarischen Turksprache zugunsten der südslawischen Sprache verschwand. Das Erste Bulgarische Reich bestand von 681 bis zur Unterwerfung unter byzantinischer Herrschaft im Jahre 1018. Zur Zeit seiner Blüte im 9. und 10. Jh. war es eines der großen und bedeutenden Reiche Europas. Es reichte vom schwarzen Meer bis an die Adria und nördlich von Belgrad und hatte zeitweise eine gemeinsame Grenze mit dem Fränkischen Reich.

Im 9. Jh. nahmen die Bulgaren unter Zar Boris I. das Christentum oströmischer Prägung an und wenig später schufen die aus Saloniki stammenden „Slawenaposteln” Kyrill und Methodios das erste kyrillische Alphabet. Die folgenden Jahrzehnte gelten als das „Goldene Zeitalter” Bulgariens. Bestimmt war diese Zeit aber auch durch die Rivalität mit dem Byzantinischen Reich, mit dem es immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen kam.

Einmal besiegte der bulgarische Chan Krum den byzantinischen Kaiser Nikephoros I. und ließ sich aus dem kaiserlichen Schädel ein silberbeschlagenes Trinkgefäß machen. Ein anderes Mal war Kaiser Basileos II. der Sieger, der von jeder Hundertschaft gefangener bulgarischer Soldaten neunundneunzig blenden und dem hundertsten ein Auge ausstechen ließ und so die geschlagene Armee dem Zaren Samuil zurückschickte. Diese grausame Vergeltung brachte ihm den Beinamen „Bulgarentöter” ein.

Die Niederlage im Jahre 1018 besiegelte das Ende des Ersten Bulgarischen Reiches. Es folgte eine lange Phase byzantinischer Fremdherrschaft, die den ganzen südslawischen Raum in verstärktem Maße dem Einfluß der griechisch-byzantinischen Kultur aussetzte. Im Jahre 1185 kam es zur Gründung des Zweiten Bulgarischen Reiches mit der Hauptstadt Tarnovo. Dieses Reich erlebte im frühen 13. Jh. unter Zar Ivan Asen II. eine bedeutende politische, wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit.

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