DIE GROSSE EXPANSION DER SLAWEN
Wann und wie die slawischen Stämme nach Mitteleuropa vordrangen, darüber
schweigt die Geschichtsschreibung der Zeit. Es gibt lediglich die indirekten
Zeugnisse von Prokopius und Jordanes aus Byzanz. Sie hielten den Prozess der
slawischen Expansion im 6. Jh. fest, machten jedoch nur wenige Angaben über die
ausschlaggebenden Entwicklungen für die weiteren Geschicke des
mitteleuropäischen Raumes.
Einige slawische Stämme hatten ihre eigene Überlieferung, die sich
jahrhundertelang mündlich von Generation zu Generation vererbte, bevor sie von
einem mittelalterlichen Chronisten niedergeschrieben wurde. Die Anfänge der
slawischen Besiedlung wurden zusammen mit tschechischen Sagen erst im 12. Jh.
von dem Chronisten Cosmas von Prag aufgezeichnet und bearbeitet.
Die Ansiedlung der Tschechen erfolgte in mehreren Phasen zwischen dem Ende
des 5. und Anfang des 6. Jh. Archäologische Fundstätten vom Prager Typus
belegten ein Vordringen der Slawenstämme von Ost nach West: Zunächst begegnete
man ihnen in der Ostslowakei, dann in der Südwestslowakei (2. Hälfte des 5.
Jh.), dann in Südmähren (Wende des 5. zum 6. Jh.) und zuletzt in Böhmen (erste
Hälfte des 6. Jh.). |