Die slawische Expansion nach Osteuropa

DIE SLAWISCHE EXPANSION NACH OSTEUROPA

Ein eigenes Kapitel bildet die ostslawische Expansion, die sich keinesfalls auf den kurzen Zeitabschnitt des 6. und 7. Jh. beschränkte , wie es beim Vordringen der Slawen nach Westen und Süden der Fall war. So gut wie ununterbrochen fanden Infiltrationsprozesse in den dünnbesiedelten Gebieten Osteuropas und später auch Asiens statt. Sie fanden während des ganze Mittelalter bis in die Neuzeit statt.

Zum Unterschied zu den Ereignissen zur Zeit der Balkan-Expansion, sagen urkundliche Quellen über die frühmittelalterliche Anfangsphase nichts aus. Die westeuropäischen Chronisten des 7. - 9. Jh. hatten von den entlegenen Gebieten nur verschwommene Vorstellungen. Obwohl byzantinische Autoren geographisch näher lagen, hatten auch sie von den Vorfällen in den weiten steppen- und waldbedeckten Ebenen nicht die leiseste Ahnung, mit den Balkan-Slawen hatte das byzantinische Reich dagegen unmittelbare Verbindungen. Die Situation änderte sich erst mit der Entstehung des Kiewer Staates im 9. Jh., als Byzanz in engere Handelsbeziehungen, sowie kulturelle und militärische Kontakte trat. Aber auch hier waren es andere Probleme, die byzantinische Chronisten für wichtig erachteten, während sie den slawischen Expansionen keine Bedeutung beimaßen.

Die Zeugnisse aus dem 9. - 10. Jh. sind überwiegend indirekt:

Von Dokumentationen Kaiser Konstantins Porphyrogennetos aus dem 10. Jh. war die Existenz einiger ostslawischer Stämme bekannt. Nähere Angaben über deren Besiedlungsgebiete und Lebensweise fehlten jedoch. Etwas aussagekräftiger sind die Informationen aus arabischen Quellen dieser Zeit. Sie berichten über slawische Vorstöße zu Don, Wolga und dem Asowschen Meer im 9. - 10. Jh. Die meisten Angaben findet man in einer, leider relativ späten einheimischen Quelle und zwar in den altrussischen Annalen Ende des 11. Jh. und Anfang des 12. Jh..

Die Slawen teilten sich nach Angaben der Chronisten frühzeitig in Stämme. Die Lage ihrer Wohnsitze zeigte die Ausdehnung der ostslawischen Besiedlungen im 8 .-10. Jh.. Wichtig sind auch die Angaben über die Nachbarn der Slawen, den finnischen Stämmen Wes und Merja an den Ufern der Seen z.B. des Sees Beloozero.

Die Aufzeichnungen der Chronisten machen die Verbreitung der Ostslawen deutlich, allerdings retrospektiv, anhand von Angaben aus dem 11. Jh. bis zum 12. Jh.. Vom ursprünglichen Kerngebiet zwischen dem mittleren Dnjeprlauf, dem rechten Pripjetufer und dem Dnjestr breiteten sie sich im 8. bis 11. Jh. über die Gebiete Beloozero im Norden und des chwarzen Meeres im Süden, zwischen Bug und Dnjestr im Westen und dem Oka-Oberlauf bzw. den linken Dnjestr-Nebenflüssen im Osten aus.

© 2006 Michael Klobutschar www.slawen-in-europa.eu.tf