Wendenkreuzzug - Christianisierung und Germanisierung

CHRISTIANISIERUNG - GERMANISIERUNG

Die fixe Idee Heinrichs des Löwen war, den Wendenkreuzzug nicht nur zur Christianisierung der Wenden durchzuführen. Er begann damit zugleich die Vertreibung der Slawen und Germanisierung des eroberten Gebietes. Heinrichs Gegner war Obotritenfürst Niklot, ein überaus geschickt taktierender Heerführer und Regent.

Niklot verglich sich später mit Heinrich dem Löwen und ließ sich mit den Dänen auf kriegerische Auseinandersetzungen ein, bei denen er aber sein Leben verlor.

Es war das Jahr 1160 und Heinrich erkannte seine Chance. Er verfügte jetzt die Angliederung Mecklenburgs an sein Herzogtum Sachsen. Schwerin wurde zum Bischofssitz und zum Zentrum der Christianisierung. Obotritenfürst Pribislaw ließ sich taufen und anerkannte sowohl die geistliche Oberhoheit der christlichen Kirche, als auch die weltliche des welfischen Herrschers. Bei der Besetzung des Landes wurde das letzte heidnische Heiligtum der Slawen in Arkona auf Rügen zerstört. Die Germanisierung begann.

„Allenthalben sind die Slawen aufgerieben und vertrieben worden. Vom Ozean ist starkes und unzähliges Volk gekommen, das der Slawen Land gewann”, schrieb Helmold, der Mönch aus Merseburg. Dies alles bedeute nichts anderes, als den Beginn der endgültigen Umwandlung des Gebietes zwischen Elbe und Weichsel in deutsches Siedlungsgebiet.

Der Vorgang war eine schleichende Eroberung, die mit vergleichsweise unkriegerischen Mitteln erfolgte. Einer der Gründe dafür war, dass die Wirtschaft der deutschen Bewohner schon weiter entwickelt und ihre Produktion entsprechend höher war, als die der slawischen Bewohner und dass Heinrich der Löwe selbstverständlich an möglichst hohen Einnahmen durch Abgaben interessiert war.

Ein steter Strom deutscher Einwanderer setzte ein. Sie kamen aus Westfalen, aus Ostfriesland, aus Holstein, aus dem Rheinland, aus Gebieten zwischen Unterelbe und Weser, aus Flandern und Holland.

Über so genannte Siedlungsunternehmer (Lokatoren) erfolgte die Gründung deutscher Dörfer. Die Siedler brachten aus ihrer Heimat den Baustil des niedersächsischen Hallenhauses mit. Die einfache slawische Bauweise verlor sich bald und auch sonst verdrängte die deutsche Siedlungsbewegung alles Wendische.

Ein dichtes Netz deutschbestimmter Dörfer und Städte hatte das Land überzogen und unumkehrbare zivilisatorische Tatsachen geschaffen. In die ehemaligen Wendenburgen setzten sich deutsche Adelsherren. Fast alle hochmittelalterlichen Klosterorden kamen ins Land, gründeten Abteien und beteiligten sich an der Kultivierung des Bodens. Die nordwestslawische Tragödie war damit beendet.

© 2006 Michael Klobutschar www.slawen-in-europa.eu.tf