Die unterschiedliche Annahme des Christentums bewirkte eine
Auseinanderentwicklung der von Rom christianisierten und von Byzanz
missionierten Slawen.
So schreiben die orthodoxen Slawen (Ostslawen) und die Mehrzahl der Südslawen in
kyrillischer Schrift und wurden von Reformation, Renaissance und Humanismus
nicht beeinflusst.
Unter der Türkenherrschaft gab es Übertritte zum Islam in Bosnien, Herzegowina,
Bulgarien und Makedonien.
Für das nationale Bewusstsein der Slawen war entscheidend, dass nur Russen,
Polen, Tschechen, Bulgaren, Serben und Kroaten eigene Staaten mit Dynastien
bildeten und dass nur die Russen diesen Staat kontinuierlich behielten, während
alle anderen in Personalunion zu nichtslawischen Staaten traten, oder lange
Perioden der Unfreiheit erlebten.
Wegen der Ähnlichkeit der Sprachen und bei den orthodoxen Slawen auch wegen
der Ähnlichkeit der gemeinsamen Sakralsprache (Kirchenslawisch), bestand wohl
immer ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl. Aber erst mit der Gründung der
slawischen Philologie im 19. Jh. und vor allem unter dem Einfluß der Romantik
(J. G. Herder) kam es zur Ausbildung des ideologischen Panslawismus.
Dieser Begriff wurde von dem Slowaken J. Herkel im Jahre 1826 geprägt. Er
bezeichnete die Verwandschaft der slawischen Sprachen.
In der 2. Hälfte des 19. Jh. wurde er zur Parole für eine allslawische
Einigungsbewegung.
In Russland, wo der Panslawismus durch die Betonung der orthodoxen
Glaubensgemeinschaft geprägt war, führte der Volkstumsgedanke der Slawophilen
zur Idee eines Zusammenschlusses aller slawischen Völker unter russischer
Führung.
Das Zarenreich war die einzige slawische Großmacht und sah sich deshalb als
Schutzmacht der kleineren slawischen Völker (Unterstützung der
Befreiungsbewegung der Südslawen von der osmanischen Herrschaft), sowie des
Kampfes der Slawen innerhalb der Donaumonarchie um politische Selbstbestimmung.
Beim Prager Slawenkongress 1848 kam durch J. Kollar der Wunsch nach
„kultureller slawischer Wechselseitigkeit” zum Ausdruck. Sie sollte die Stärkung
der kleineren slawischen Völker zum Ausdruck bringen, aber ihre Staatswerdung
sollte nur ohne russische Vormachtstellung erfolgen. Die Vertreter des
AUSTROSLAWISMUS forderten zusätzlich eine stärkere Entfaltung der slawischen
Völker innerhalb der Donaumonarchie.
Nach dem 1. Weltkrieg verlor der Panslawismus infolge der politischen
Gegensätze zwischen den slawischen Völkern an Bedeutung. |